1880-1900:

Im Jahre 1880 wurde von einer Gruppe junger Männer in Reuth beschlossen, einen Turnverein zu gründen. Der größte Teil dieser Gründungsmitglieder gehörte dem bereits bestehenden Jugendverein an, der sich besonders für die körperliche Betätigung seiner Mitglieder einsetzte.

Hier ein Auszug aus dem Gründungsprotokoll des Turnvereins vom 28. August 1880:

"Nachdem die Mitglieder des hiesigen Jugendvereins beschlossen hatten, einen Turnverein zu gründen, so hielt derselbe heute seine erste Versammlung ab. Anwesend waren von 22 Migliedern 20. Es wurde zunächst zur Wahl der Ausschußmitgieder geschritten. Das Resultat ergab nun, daß Heinrich Becher einstimmig zum Vorstand des Turnvereins, Robert Schaarschmidt zu dessen Stellvertreter, Robert Seifert zum Schriftführer, Eduard Müller zum Kassierer und Robert Popp zum Zeugwart gewählt wurden. Sämtliche Gewählte nahmen auch die Wahl dankend an. Weiter wurde sich über die Wahl eines Turnwarts besprochen und Carl Breitfeld aus Greiz wurde einstimmig zum Turnwart für den hiesigen Turnverein gewählt."

Im gleichen Protokoll wurde auch ein Beschluß über die sportliche Tätigkeit gefasst. "Zum Schlusse wurde noch beschlossen, daß wöchentlich 3mal geturnt werden soll, nämlich mittwochs, sonnabends und sonntags;an zwei erstgenannten Tagen findet die Turnstunde abends statt."

Die Statuten des Turnvereins waren schon vor der Vereinsgründung an die Amtshauptmannschaft Zwickau eingereicht worden, wo sie am 12.8.1880 bearbeitet worden sind, und zwar auf der Grundlage des damaligen Vereinsgesetzes von 1850. Vor der Genehmigung mussten noch einige Abänderungen durchgeführt werden.

Der Inhalt des Status muss uns in der heutigen Zeit recht sonderbar vorkommen: So steht im Artikel 3: "Als ordentliches Mitglied wird jeder aufgenommen, welcher das 21igste Lebensjahr zurückgelegt und einen unbescholtenen Lebenswandel geführt hat. "Jünglinge" galten als außerodentliche Mitglieder und waren nicht stimmberechtigt.

Der Artikel 5 sagt aus: "daß die Turner anteilig für die Schulden des Vereins haften".

Der monatliche Mitgliedsbeitrag betrug 0,40M, das Aufnahmegeld 1,-M.

Die Anfangsschwierigkeiten für den Verein waren nicht gering, da man praktisch mit dem Nichts anfing und weder Turngeräte noch einen geeigneten Turnplatz hatte.

Die ersten Turnversuche wurden mit einer Querstange zwischen zwei Astgabeln im"Esperich" dem jetzigen Naturschutzgebiet am Waschteich, durchgeführt.

Bereits am 25. September 1880 schloß deshalb die Leitung des Vereins mit dem damaligen Gastwirt Heinrich Ferdinand Döhler einen "Kontrakt" ab, in dem sich dieser verpflichtete, dem Verein einen Turnplatz und von ihmengschaffte Turngeräte für 1 Jahr kostenlos zur Verfügung zu stellen. Danach sollte neu verhandelt werden. Dieses war der Anfang des regelmäßigen und organisierten Sportbetriebes in unserem Heimatort.

Der Vereinentwickelte sich schnell weiter, was zeigt, daß reges Interesse an der sportlichen Betätigung bestand.

Waren es am 28. August 1880 noch 22 Gründungsmitglieder, so stieg die Zahl am Ende des gleichen Jahres schon auf 32 Mitglieder an. Am Ende des Jahres 1881 war die Mitgliedezahl bereits auf 62 angestiegen.

Im gleichen Jahr 1881 wurde das erste "Schauturnen" durchgeführt, zu welchem 25 Vereine aus den umliegenden Ortschaften eingeladen waren. Aus der Einladungsliste geht hervor, daß 1881 in vielen umliegenden Städten und Dörfen schon Turnvereine bestanden: z.B. Langenbernsdorf, Hohenleuben, Raasdorf, Langenwetzendorf, Neumark, Mylau, Beiersdorf, Ruppertsgrün, Steinpleis, Leubnitz, Teichwolframsdorf, Stöcken und Fraureuth.

Der praktische Sportbetrieb, also das Turnen, spielte sich im Rahmen von 16 sogenannten Turngesetzen ab, die die Grundlage für eine strenge Ordnung und Disziplin bildeten. Sollten diese "Turngesetze" so durchgestetzt worden sein wie sie uns als Text vorliegen, und daran dürfte wohl nicht zu zweifeln sein, so kann man sich heute noch vorstellen, wie militätrisch und im preußischen Stil es in den Turnstunden zugegangen sein muß.

Im Jahre 1883 wurde vom Verein der erste Spielball angeschafft, und man ahnte damals wohl noch nicht, welche Verbreitung die Ballspiele in den folgenden Jahrzehnten im allgemeinen und auch in unserem Haimatort finden würden.

Erwähnenswert aus dem gleichen Jahre sind noch die Fahnenweihe und die Solidaritätsspende von 5,-M,die der Verein dem Turnverein Frankenthal/Rheinpfalz zur Linderung der Folgen der Rheinüberschwemmung zur Verfügung stellte.

Am 24. Juni 1891 verstarb der Gastwirt Ferdinand Döhler, ohne dessen Unterstützung und Zusammenarbeit mit dem Verein der Sportbetrieb in Reuth zur damaligen Zeit nahezu unmöglich gewesen wäre. Natürlich hatte dieser auch seine Vorteile, da die gastronomische Seite in der Geschichte des Sportbetriebes in Reuth stets eine Rolle gespielt hat.

1893 finden wir erstmals unter einem kurzen Monatsprotokoll die Unterschrift des mit dem 01.01.1893 wahrscheinlich eingetretenen und vom 01.01.-31.12.1907 zum Vereinsvorsitzenden gewählten Robert Schröder. Er war nachweisbar viele Jahre Migtlied des Allgemeinen Turnvereins e.V. und übte eine Reihe von Funktionen aus.

In den ersten zwei Jahrzehnten der Sportbewegung in Reuth hat sich Heinrich Becher besondere Verdienste erworben, da er mit einer kurzen Unterbrechung siebzehn Jahre lang den Verein unter teilweise schwierigen Bedingungen geführt hat.

Im Jahre 1898 stammt die erste Nachricht über das Schulturnen in Reuth. Der Lehrer der Schule hatte sich im Namen des Schulausschusses für die Benutzung der Turngeräte des Vereins bei diesem bedankt.

1898 wurde außerdem der Turnplatz am Gasthof verlegt. Da der an der Gottesgrünerstraße gelegende Platz zu klein geworden war, wurde mit Zustimmung des Gastwirtes im größeren hinteren Teil des "Wirtsgartens" ein Turnplatz eingerichtet.

1899 war die Mitgliederzahl einschließlich der sogenannten Zöglinge auf 73 angestiegen. Wie die Mitgliederzahl entwickelt esich in den ersten 20 Jahren des Bestehens die Mitwirkung an verschiedenen Leistungsvergleichen im Turnen und die Qualität der turnerischen Leistungen einer Reihe von Vereinsmitgliedern.

Da der Verein als einziger sächsicher Verein dem Österländischem Turngau (Osterland=Name der alten nordthüringischen Mark) angehörte, trat er 1900 aus diesem aus, um sich dem sächsichen Turnkreis anzuschließen. Im gleichen Jahr wurde der Verein in den 16. Turngau (Vogtland) aufgenommen.

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